Stülpkorb


ÖMV/63.539
Kegelstumpfförmiger Stülpkorb aus Weidenästen. Oben eine Öffnung, deren Rand mit einem Wulst gepolstert und mit Seilen und Stoffstreifen umwickelt ist. Die Äste sind an vier Stellen durch horizontal eingeflochtene Schnüre verbunden (die Umschlingung nach dem Prinzip: zwei Äste vor, ein Ast zurück, zwei Äste vor). Die Weidenruten an den unteren Enden zugespitzt, an der Unterkante zwei Halteschlaufen angeknotet.

Seitlich am Korb ein abgerissenes Kartonetikett mit Stempelaufdruck "K. K. Hauptzollamt" angehängt.

Möglicherweise erhielt Hugo Schuchardt diesen Stülpkorb von Adolf Harpf oder durch dessen Vermittlung von Richard Markgraf, einem Fossiliensammler böhmischer Abstammung, der in Ägypten arbeitete. Harpf schrieb in einem Brief vom 25. Jänner 1908: "Im Nilthall fangen die Fellachen die in den flachen Bewässerungskanälen und deren Tümpeln nach dem Auslaufen der Flut zurückbleibenden Fische mit sogenannten Kaffas = Körbe die so aussehen: [Skizze]. Die Stäbe, welche unten vorragen werden in den Schlamm gedrückt, die Körbe über die Fische gestülpt und die Fische werden oben durch die Öffnung mit der Hand heraus genommen. Wollen Sie eine Dschâbbia haben, so würde wohl Herr Markgraf Ihnen eine solche besorgen." Auf Seite 1 desselben Briefes notierte Harpf: "Ein deutscher Sammler namens Richard Markgraf hat sich hier am Karûnsee 7 1/3 Feddan neugewonnenen Landes gekauft und darauf ein primitives Haus gebaut. Während er selbst 6 Kameelreitstunden weit in der libyschen Wüste [...] gräbt, wohne ich nun einige Zeit hier in seinem Hause [...]".
Nach dem Tod Schuchardts 1927 kam der Stülpkorb als Teil seines Nachlasses an die Universitätsbibliothek Graz und von dort 1959 als Schenkung an das Volkskundemuseum in Wien.
H: 46 cm
Öffnung oben D: 8 bis 9 cm
D max.: 75 cm



Objektklasse
Hersteller/in
  • Unbekannt
Beitragende/r
Herkunft
Datierung
  • Um 1900
Material
  • Weidenrute
  • Seil
  • Bastfaser
  • Stoffstreifen
Technik
  • geschnitzt (Holz)
  • gezwirnt (Textil)
  • verseilt (Textil)
  • Umschlingendes Wickeln
    Sammlung
    • Schuchardt, Hugo: Belegsammlung zur Sachwortforschung
    Objekt wird zitiert in
    Korrespondenz im Hugo-Schuchardt-Archiv:
    Brief von Adolf Harpf an Hugo Schuchardt vom 25.01.1908 (Briefnummer 4380)
    Weiterführende Informationen
    Manuskripte im Hugo-Schuchardt-Nachlass der Universitätsbibliothek Graz, Sondersammlungen:
    Mappe Fischfang Südslawisch "9 Blatt Notizen", Signatur 17.1.5.1., 1 Doppelblatt "Vlak nagonjac" von Ciro Truhelka mit Zeichnungen und Beschreibungen von u.a. Körben.
    Folgende Materialien des Hugo-Schuchardt-Archivs (HSA) stehen in Bezug zu diesem Objekt:
    Adolf Harpf

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