Fischnetz "Palamidara"


ÖMV/63.571
Rechteckiges, einwandiges Fischnetz aus Hanf- oder Jutezwirn genetzt mit einer Höhe von ca. 1600 cm und einer zugeschnittenen Breite von ca. 60 cm. Das obere Ende wird durch eine Führungsleine (Obersimm) abgeschlossen, auf die zwei vierkantige Korken aufgefädelt sind, das untere Ende (Untersimm) ist mit einer gleichartigen Führungsleine abgeschlossen, wobei hier keine Bleigewichte angebracht sind. Eine Seite des Netzes ist mit einer doppelten Führungsleine in starker und feiner Ausführung eingefasst. Die Maschenweite beträgt über die gesamte Höhe des Netzes gleichmäßig 6 cm.

An der oberen Leine ist ein möglicherweise von Gaetano Delogu mit "Catania palamidara" beschriftetes Kartonetikett angebunden. Dieses kleine Etikett aus dunkelbraunem, festem Karton, dessen eine Seite mit hellem Papier kaschiert ist, ist ident mit den Etiketten der Fischnetze "Stummara" ÖMV/63.553, "Tratta" ÖMV/63.556, "Colestrico" ÖMV/63.570, "Radolo" ÖMV/63.573 und "Bardassolo" ÖMV/63.574. Diese Netze, die alle aus Catania stammen, scheinen auch in einer von 1) bis 7) durchnummerierten Liste von Netzstücken "pezzi" auf, die Schuchardt in einer Kladde zu Fischfang in Italien (17.1.3.1.: 69-70) notiert hat.

Bei diesem Netz handelt es sich vermutlich um ein Stellnetz, das für den Fang des Atlantischen Bonito (Sarda sarda, siz. palamitu, palamita) eingesetzt wurde. Stellnetze können im Wasser im Boden fixiert oder an Holzpfählen mittels Verankerung aufgestellt werden. Sie bilden im Wasser eine senkrechte Wand, in die Fische oft durch Erzeugen von Lärm oder Schläge aufs Wasser (pulsen) hineingetrieben werden und sich mit ihren Kiemen im Netz verfangen.

Der Erwerb dieses Netzes steht in Zusammenhang mit Schuchardts Aufenthalt in Catania im Juni 1901, möglicherweise hatte er es durch Vermittlung von Gaetano Delogu erhalten, der auf einer Karte vom 19. Juni 1901 die Beschaffung von Fischnetzen für Schuchardt thematisierte.
Nach dem Tod Schuchardts 1927 kam das Netz als Teil seines Nachlasses an die Universitätsbibliothek Graz und von dort 1959 als Schenkung an das Volkskundemuseum in Wien.
H: 1600 cm
B: 60 cm



Objektklasse
Hersteller/in
  • Unbekannt
Beitragende/r
Herkunft
Datierung
  • Ende 19. Jh.
Material
  • Hanfzwirn (?)
  • Jutezwirn (?)
  • Kork
  • Blei
Technik
  • genetzt
  • geschnitten (Kork)
  • gegossen (Metall)
    Sammlung
    • Schuchardt, Hugo: Belegsammlung zur Sachwortforschung
    Objekt wird zitiert in
    Manuskripte im Hugo-Schuchardt-Nachlass der Universitätsbibliothek Graz, Sondersammlungen:
    Kladde Fischfang Italien "110 S.", Signatur 17.1.3.1., S. 69-70.
    Weiterführende Informationen
    Korrespondenz im Hugo-Schuchardt-Archiv:
    Karte von Gaetano Delogu an Hugo Schuchardt vom 19.06.1901 (Briefnummer 2-2276)
    Brief von Pietro Spadaro an Hugo Schuchardt vom 08.05.1901 (Briefnummer 02-10732), S. 1, 23.

    Manuskripte im Hugo-Schuchardt-Nachlass der Universitätsbibliothek Graz, Sondersammlungen:
    Kladde Fischfang Italien "Palermo Trapani", Signatur 17.1.3.9., S. 9 bzw. (19).
    Kladde Fischfang Italien "Catania", Signatur 17.1.3.11., S. 13, S. 40.
    Mappe Fischfang Italien "12 Blatt Notizen", Signatur 17.1.3.17., 1 Blatt "nach Damianos Angaben aufgezeichnet".

    Folgende Materialien des Hugo-Schuchardt-Archivs (HSA) stehen in Bezug zu diesem Objekt:
    Gaetano Delogu
    Pietro Spadaro
    Delogu | Schuchardt | 1901-06-19 (Briefnummer 2-2276)
    Spadaro | Schuchardt | 1901-05-08 (Briefnummer 02-10732)

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