Objekte im Fokus

Arbeiten ruthenischer Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg:

Stick- und Knüpfmusterstücke

Mi, 30.04.2014 – So, 02.11.2014
Die Ausstellung zeigt ein Konvolut von rund 500 kleinen bestickten und teilweise mit Glasperlen geknüpften Textilmusterstücken ruthenischer Frauen.
Das Spannende an den Stücken sind vor allem die Umstände, unter denen sie gefertigt wurden: Sie entstanden in Lagern für Flüchtlinge aus dem Osten der Habsburgermonarchie zu Beginn des Ersten Weltkriegs, und sie waren schon einmal in einer Ausstellung zu sehen. 1915 wurden sie im Rahmen der Propagandaschau „Die Kriegshilfe. Kunst, Gewerbe und Industrie im Dienst der Kriegshilfe“ gezeigt, mit der das k.k. Ministerium des Innern der Öffentlichkeit beweisen wollte, wie gut es sich der Flüchtlingsströme annehme.

Im Jahr 2014 geht es um eine Analyse der damaligen Präsentation, es geht um die Frage, warum die Herstellung von Handarbeiten dazu dienen konnte, die angeblich gute Versorgung der Flüchtlinge zu untermauern, und es geht nicht zuletzt darum, zu hinterfragen, weshalb sie als „ruthenisch“ bezeichnet wurden. In der Habsburgermonarchie verwendete man diesen Begriff nämlich als Sammelbezeichnung für alle Bevölkerungsgruppen, die eine ostslawische Sprache verwendeten. Die Musterstücke waren jedenfalls von Frauen aus Orten in Galizien, also aus der heutigen Ukraine und dem heutigen Polen, gefertigt worden. In wie weit die Ausstellung 1915 auch der Herstellung einer ruthenischen Identität dienen sollte und welche Rolle bei Ethnifizierungsprozessen allgemein textilen Arbeiten, vor allem Stickereien zukommt, auch das wird Thema der Ausstellung 2014 sein.

Eine Kooperation des Volkskundemuseums, Wien, mit der University of Western Sydney, Australien


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