In der Passage

Eleonorengrün und Annagelb

Die Faszination des Uranglases

Di, 01.10.2019 – So, 15.12.2019
: Uranglas aus der Sammlung des Volkskundemuseum Wien © Franz Dworzak
Der Wunsch, Glas durch Farbe reizvoller erscheinen zu lassen, existiert bereits seit Tausenden von Jahren. Bei Versuchen mit „Pechblende“ aus böhmischen und sächsischen Bergwerken wurde schließlich 1789 das chemische Element „Uran“ (Uranoxid) entdeckt. Uran-Verbindungen mit ihrer färbenden Wirkung waren im Biedermeier sehr populär.
Der erste Produzent von Uranglas in den 1830er Jahren war der böhmische Glashüttenbesitzer Josef Riedel. Je nach der Menge der Zugabe ist mit Uranoxid gefärbtes Glas gelb oder bei größerem Anteil grün. Ihre poetischen Namen erhielten die Farben gelb und grün nach den Töchtern Anna und Eleonore Riedel. Das mit Uranoxid strahlend gelb-grün gefärbte Glas wurde in Glasfabriken in verschiedenen Ländern hergestellt. In Amerika und England ist es unter der Bezeichnung „Vaseline Glass“ bekannt.

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man die Radioaktivität und im 20. Jahrhundert die Schädlichkeit von Uran. Normalerweise besteht keine Gefahr einer radioaktiven Kontamination, da die Strahlung nicht höher ist als die natürliche Strahlung in der Umgebung. Die Stärke der Strahlung von Uranglas, gemessen mit einem „Geiger-Zähler“, ergibt nur schwache Werte.
Gefährlich ist, dass α- oder β-strahlende Atome durch organische Säuren der Getränke oder der Speisen (Weinsäure, Obstsäure usw.) aus dem Glas heraus gelöst werden können, sich in menschlichen Organen absetzen und dort als Krebserreger wirken können. Man sollte also nicht aus Urangläsern trinken oder essen.

Das Vorhandensein von Uran kann mit ultra-violettem Licht, im Englischen „Black Light“ genannt, sichtbar gemacht werden. Im so genannten UV-Licht werden die für das menschliche Auge unsichtbaren Teile des Sonnenlichts in gelbes und grünes Licht verwandelt. Seit dem späten 19. Jahrhundert kann man UV-Licht künstlich herstellen und damit den faszinierenden Effekt der Fluoreszenz erreichen. Uranglas enthält maximal 2% Uranoxid und es „fluoresziert“ wegen der Struktur der Elektronen in der Glasmatrix. Die davon ausgehende Faszination machte Urangläser zu beliebten Sammlungsobjekten.

Die hier gezeigte Sammlung ist ein Teil einer Schenkung von Franz Dworzak aus Wien an das Volkskundemuseum Wien. Ein Teil umfasst in eine hölzerne Form geblasene Gläser und exquisite Repräsentations- und Dekorationsobjekte, deren Dekor geätzt oder geschliffen wurde. Sie waren im 19. Jahrhundert und dann wieder in der Zwischenkriegszeit beliebt. Ein anderer Teil zeigt unterschiedliche Gefäße aus Pressglas. Dieses industriell mit Pressluft in Metallformen hergestellte Glas förderte die Verbreitung von Uranglas in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zeugnis geben die einfachen Gebrauchsgegenstände wie eine Zitronenpresse, eine Butterdose oder ein Tintenfass.

Die Ausstellung befindet sich in der öffentlich zugänglichen Passage und ist kostenlos zu besichtigen.
Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien

T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at

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Bibliothek:
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