Ausstellungseröffnung: Do, 11.3.2021, 19.00 Uhr

Fiktion Galizien

Zur visuellen Entwicklung einer Landschaft

Fr, 12.03.2021 – So, 20.06.2021
Das Volkskundemuseum Wien und das Photoinstitut Bonartes arbeiten an einem Ausstellungsprojekt, das sich mit Fotografie in Galizien und der Bukowina am Ende des langen 19. Jahrhunderts beschäftigt. Ausgehend von Bildern des in Kolomea in Galizien ansässigen kommerziellen Fotografen Julius Dutkiewicz, der eine große Anzahl an Volkstypenaufnahmen, landeskundliche Ansichten und unter anderem auch Erdölfelder in Galizien fotografierte, gilt unser Interesse der Wirkungsweise dieser Fotografien am Ende der Habsburgermonarchie.
Zwei Schwerpunkte in historischer Abfolge markieren die Erzählung dieser Ausstellung. In einem ersten Teil betrachten wir den Einsatz der Fotografie bei der ökonomischen und infrastrukturellen Entwicklung Galiziens ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Darauf folgt der Blick auf die Rolle der Fotografie in der Entwicklung der Volkskunde als wissenschaftliche Disziplin in der Habsburgermonarchie. Ausgehend von Wien und den dort zusammenlaufenden wissenschaftlichen Netzwerken spielten dabei Galizien und die Bukowina sowie das Bildmaterial von ebendort eine substanzielle Rolle.

Fotografien von Dutkiewicz finden sich heute in Sammlungen in der Ukraine, in Polen und in Österreich. In Wien ist er unter anderen in der Fotosammlung des Volkskundemuseums prominent vertreten. Neben Dutkiewicz werden wir Material von unterschiedlichen in Galizien tätigen Fotografen – in Wien situierte Wissenschaftler, die in Galizien und der Bukowina unterwegs waren, genauso wie ortsansässige Ethnographen – heranziehen. Gezeigt werden sollen nicht nur fotografische Abzüge, sondern alle möglichen Erscheinungsweisen von Fotografie, vor allem auch in Medienverbünden – seien es Bücher, Leporellos, Zeitungen– sowie (hand)schriftliche Dokumente und Akten.

Mit einem kritischen Blick auf die zwei Entwicklungslinien von Infrastruktur und Wissenschaft wollen wir die konkreten Praktiken des Umgangs mit Fotografie in diesen Prozessen aufzeigen. Wer, aus welchem Kontext kommend, mit welchen Interessen, setzte Fotografie auf welche Weise ein? Warum scheinen die Fotografien von Dutkiewicz den deutschsprachigen Diskurs von damals zu bestimmen und welche Imaginationen wurden durch dieses Bildmaterial erzeugt? Mit welchem Interesse wurde Dutkiewicz beauftragt die Erdölfelder zu fotografieren und wer setzte diese Bilder für seine Zwecke ein? Diese und ähnliche Fragen werden wir in der Ausstellung und dem begleitenden Katalog versuchen zu beantworten.

Methodisch werden wir uns hier vor allem mit der Zirkulation und Verbreitung der Bilder beschäftigen, da sich darüber Räume für Bildeffekte deutlich nachzeichnen lassen. Wir interessieren uns hier am Beispiel Galizien und Bukowina im Verbund der Habsburgermonarchie für das „Regieren im Bildraum“ (Tom Holert). Die Verknüpfung von Infrastruktur, Ökonomie, Volkskunde, Politik und Fotografie ließe sich vielleicht als eine Kombination von politischer Epistemologie und politischer Ökonomie des Bildes fassen.

Beispielhaft möchten wir von einem Modell der „Indigenisierung“ ausgehen und damit die politischen Interessen von unterschiedlichen Akteur*innen in Galizien und der Bukowina, genauso wie in Wien in der Propagierung bestimmter Bilder autochthoner Bewohner*innen der Region aufzeigen. Das auf diese Weise erzeugte Narrativ von Galizien als zurückgebliebener Gegend wurde mit unterschiedlichsten Intentionen instrumentalisiert. Bis heute hält sich dieser Eindruck, weitergetragen vor allem über literarische Zugänge.

Mit dem Bewusstsein, dass wir uns als in Wien sitzende Forscher*innen nicht in einer neutralen Position befinden, werden wir versuchen weitgehend mit postkolonialen Forschungszugängen zu arbeiten. Der Blick des mit Wien interagierenden wissenschaftlichen Netzwerkes und seine Verhältnisse zur vor Ort stattfindenden Fotoproduktion zeigen Elemente asymmetrischer Herrschaftsaspekte, die es offenzulegen gilt. Wir werden unsere Untersuchung durch eine polnische und eine ukrainische Perspektive ergänzen, sowie um einen gegenwärtigen schriftstellerischen Zugang.

Kuratierung:
Herbert Justnik (Volkskundemuseum Wien)
Martin Keckeis (Photoinstitut Bonartes)


BEGLEITPROGRAMM

Ausstellungseröffnung
Do, 11.3.2021, 19.00 Uhr


VERMITTLUNGSPROGRAMM

Sonntagsführung
So, 14.3.2021, 15.00 Uhr
So, 28.3.2021, 15.00 Uhr



Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15–19, 1080 Wien

T: +43 1 406 89 05
F: +43 1 408 53 42
E: office@volkskundemuseum.at
W: www.volkskundemuseum.at

// COVID-19: Info zum Museumsbetrieb //

Öffnungszeiten
Museum:
Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr
Bibliothek:
Nach Voranmeldung

Hildebrandt Café:
Di bis So, 10.00 bis 18.00 Uhr
Do, 10.00 bis 20.00 Uhr

Mostothek:
Di, ab 17.00 Uhr


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