Bitter Oranges. Migrantische Erntehelfer in Süditalien

Fotoausstellung

Fr, 25.09.2015 – So, 15.11.2015
Die Sonderausstellung ist das Ergebnis eines dreijährigen fotografischen und ethnografischen Forschungsprojekts und dokumentiert analytisch die Arbeits- und Lebensbedingungen der migrantischen Erntehelfer auf den Zitrusplantagen in Süditalien.
Ziel der Ausstellung ist es, das Gesicht der Sklaverei in Europa, Migrationspolitik und Preisdruck in der Lebensmittelproduktion zu thematisieren. Zugleich sensibilisiert sie für faire Handelsbedingungen und einen bewussten Konsum von Nahrungsmitteln.

Viele der Bootsflüchtlinge, die über Lampedusa nach Europa kommen, landen als Saisonarbeiter auf den Orangenplantagen in Kalabrien. Die Arbeitsbedingungen sind durch Ausbeutung und extreme Prekarität gekennzeichnet: als Tagelöhner, ohne Arbeitsvertrag, verdienen sie nur 25 Euro an einem 12-14-stündigen Arbeitstag. Doch die meisten finden nur an wenigen Tagen im Monat Arbeit, denn die Konkurrenz ist groß. Die Hungerlöhne bringen in der Folge schockierende Lebensbedingungen mit sich: die Arbeiter müssen in Slums leben, die sie aus Karton und Plastikplanen am Rande der Stadt errichten, oder in einem Zeltlager, das vom Zivilschutz errichtet wurde. Da die Kapazitäten dieser Lager bei weitem nicht ausreichen, sind die hygienischen Zustände desaströs. Diejenigen, die nicht genug verdienen konnten, um zur nächsten Saisonarbeit an anderen Orten zu fahren, sind gezwungen, auch nach der Erntesaison zu bleiben. Im Sommer, wenn es keine Arbeit gibt, müssen viele von ihnen hungern.

Die Fotoausstellung Bitter Oranges ist das Ergebnis einer dreijährigen Forschung, in der die EthnologInnen Diana Reiners und Dr. Gilles Reckinger sowie die Fotografin und Sozialwissenschaftlerin Carole Reckinger regelmäßig die Orangenarbeiter von Rosarno aufsuchten. Dem partizipativen Ansatz des Projektes folgend, ließen sie die Arbeiter selbst mit fünf Digitalkameras ihre Lebenssituationen dokumentieren. Diese Aufnahmen werden von den drei AusstellungskuratorInnen mit Foto,- Film- und Tondokumenten ergänzt.

Ziel der Ausstellung ist es, die sklavenähnlichen Lebensbedingungen der Arbeiter einem breiten Publikum bekannt zu machen. Zugleich werden auf leicht verständliche Weise die strukturellen Bedingungen ihrer Lebenslagen zwischen europäischer Migrationspolitik, Preisdruck in der Lebensmittelproduktion und extremer Prekarisierung an den unteren Rändern der Arbeitsgemeinschaft deutlich gemacht.

KuratorInnen:
Carole Reckinger, Politologin mit Schwerpunkt Menschenrechte und Photographin, Luxemburg

Gilles Reckinger, Kulturanthropologe, Stiftungsprofessor am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Universität Innsbruck

Diana Reiners, Europäische Ethnologin und Universitätsdozentin, Luxemburg


AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG:

Fr, 25. September 2015 am "Langen Tag der Flucht" des UNHCR

Pressegespräch:
Fr, 25. September 2015, 11 Uhr
Es sprechen der Ausstellungskurator Gilles Reckinger und Experten von Global 2000.

Programm:
9.00 – 11.00 Uhr
Jugendworkshop Gilles Reckinger/ Diana Reiners

Mittels der Ausstellung „Bitter Oranges. African Migrant Workers in Calabria“ erfahren die Schüler und Schülerinnen mehr über die Erntearbeiten der afrikanischen Flüchtlinge in Süditalien. Bei der Be- und Hinterfragung der Bilder schlüpfen wir in verschiedene Rollen und diskutieren anschließend gemeinsam im Rahmen einer inszenierten Podiumsdiskussion.
Viele der afrikanischen Migranten und Migrantinnen, die über Lampedusa nach Europa kommen, arbeiten auf den Orangen- und Mandarinenplantagen in Süditalien. Jedes Jahr in der Weihnachtszeit pflücken sie zu Tausenden in Rosarno (Kalabrien) billige Orangen für den europäischen Markt. Gezahlt wird schlecht und legale Arbeitsverträge gibt es kaum.

15.00 Uhr
Blick auf die Südhalbkugel
Dialog hinsichtlich Flucht, Migration, Verantwortung der KonsumentInnen, Preisdruck durch Konzerne und Nachhaltigkeit


Europas Orangenkonsum zwingt Landarbeiter weltweit in die Knie. Allen voran sind es MigrantInnen und Flüchtlinge, die auf Plantagen dieser Welt unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten. Diskutiert werden Ursachen, Zustände und Perspektiven.

Podiumsgäste:
Gilles Reckinger (Universität Innsbruck, Kurator der Ausstellung Bitter Oranges)

Alcimir Carmo (Feraesp, Gewerkschafter für Landarbeiter in Brasiliens Orangenplantagen)

Martin Wildenberg (Nachhaltigkeitsexperte GLOBAL 2000)

Elfriede Schachner (Geschäftsführerin Südwind)


17.00 Uhr
Filmausschnitte und Gespräch mit dem Filmemacher Jakob Brossmann und Gilles Reckinger

Lampedusa im Winter
A/I/CH 2015 – 93 Min. – Italienisch / Arabisch / Tigrinia / Englisch mit Untertiteln
Weltpremiere: 68. Internationales Filmfestival von Locarno
Kino Start Österreich im Jänner 2016

Über 4 Jahre arbeitete der Regisseur Jakob Brossmann an seinem Dokumentarfilm über die „Flüchtlingsinsel“ Lampedusa. Die winzige Gemeinschaft am Rande Europas ringt verzweifelt um ihre Würde - und um Solidarität mit den afrikanischen Bootsflüchtlingen, die viele für den Grund der andauernden Krise halten.
Jakob Brossmann begleitete die BewohnerInnen der Insel durch die schwierige Winterzeit und beobachtete die Begegnungen mit den Bootsflüchtlingen. Der Film erzählt unter anderem von den Problemen der Fischer und den Einsätzen der Küstenwache an der Außengrenze Europas.

Im Gespräch und anhand von Filmausschnitten berichtet Jakob Brossmann über die Dreharbeiten und die Einsichten, die er aus den Begegnungen auf Lampedusa mitgebracht hat.





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